Das große Versteckspiel

Wir verstecken uns alle hinter unseren Fassaden, die nach außen so schön aussehen. Herausgeputzt und modern. Passen schön rein, ins einheitliche Bild oder sind vielleicht ganz extravagant, aber alles in allem kann man sagen, es sieht perfekt aus. Beeindruckend. So beeindruckend, dass es fast einschüchtert. Glatt sind die Fassaden. Ohne einen Fleck, so dass sich möglichst kein Fehler an ihnen finden lässt.

Aber das Problem ist, es sind Mauern. Und dahinter sieht es vielleicht ganz anders aus. Dahinter ist nicht alles so perfekt. Dahinter bin ich, dahinter bist du. So wie wir sind, so wie wir denken, so wie wir wirklich fühlen. Dahinter ist Schmerz, dahinter ist Einsamkeit, dahinter ist Angst.

Aber das weiß niemand, denn es sieht von außen so perfekt aus. Es sieht so beneidenswert und gut aus. Wir Menschen spielen das große Versteckspiel miteinander. Verstecken im Dunkeln, genauer gesagt. Niemand darf mich finden, niemand darf sehen wo ich stehe und wie ich bin. Niemand darf wissen, dass ich schwach bin. Wir sperren uns selbst ein in den Gefängnismauern der Angst.

Wir treiben das Versteckspiel so weit, dass wir uns nicht nur vor den anderen verstecken, sondern auch vor uns selbst. Wir wenden uns von unserem echten ich ab und wollen nicht wahrhaben, dass dort Schmerz ist oder Schwachheit oder Angst. Auf der Mauer steht in plakativen Buchstaben: Ich bin stark, ich bin furchtlos, ich kenne keinen Schmerz.

Unzerstörbare Fassaden, sind so normal und schick und sicher. Aber sie trennen uns voneinander. Sie stoßen den anderen aus und er mich. Wenn ich doch mal zu ihm will, schlage ich mir meinen Kopf an dem harten Stein und versuche es nicht nochmal. Mauern sind kalt und hart, sie können nicht weich und auch nicht verständnisvoll sein, denn sie leben und fühlen nicht, sie sind konstruiert.

Aber stellen wir uns mal vor, wir würden unsere Fassade mit mehr offenen Fenstern und Türen bestücken. Oder wir bauten sie ganz ab. Denn wenn die Mauern zerbröckeln, sehen wir, dass wir eigentlich alle gleich sind. Dass wir die gleichen Ängste und die gleichen Probleme haben. Dass wir nicht allein sind mit dem Schmerz, weil alle anderen ihn auch fühlen. Dass wir alle menschlich und verletzlich sind und uns eigentlich alle das Gleiche wünschen. Nämlich Akzeptanz und Liebe und Freundschaft und Beziehung.

Lasst uns anfangen, ehrlich miteinander zu reden.

Und die Fassaden abzubauen.

Lasst uns Menschen sein.

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Ich habe dieses Versteckspiel auch mit Gott gespielt, aber er hat mich so lange gesucht, bis er mich ganz weit hinter den höchsten und dicksten Mauern gefunden hat. Dann hat er mich einfach geliebt, so wie ich bin. Mit meinen Schwachheiten und Fehlern und Ängsten. Er hat den Schmerz und die Verletzungen geheilt und mich aufgebaut. Er hat mir beigebracht wie Mut funktioniert, um auch vor anderen die Mauern abzubauen und beziehungsfähig zu sein. So dass ich keine Angst mehr davor haben muss, für andere transparent zu sein und zu zeigen wer ich wirklich bin. Seine Liebe macht mich stark und furchtlos. Ich lerne immer mehr, was das für mein Leben bedeutet.

Und ich wünsche mir sehr, dass du das auch erlebst.

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