Aufbackbrezeln

Ich komme nach Hause
Schlage die Wohnungstür hinter mir zu
Leg den Schlüssel auf den Tisch
Die Tasche auf den Boden
Stolpere über die Schuhe und die Anziehsachen
Und die fünf unausgeräumten Taschen
Die auf dem Boden verstreut sind
Und mir zu Füßen liegen, wie der rote Teppich
Lasse mich auf mein umgemachtes Bett fallen
Die Kissen im Zimmer verstreut,
Die Decke zerknüllt
Kein Essen im Kühlschrank und nichts geplant
Ich müsste echt mal einkaufen gehen
Aber ich hab ja noch Nudeln und eine Möhre im Kühlschrank
Weiß auch nicht wie alt die schon ist.
Draußen ist so lauter Verkehr
Und ich kann mich nicht entscheiden
Auf das was ich tun muss hab ich keine Lust
Und was ich tun will geht jetzt nicht
Ich hab nicht das was ich gern hätte
Und was ich habe finde ich doof
Und kann mich nicht entscheiden.
Was mache ich morgen?
Was mache ich mit meinem Geld?
Was soll ich frühstücken?
Soll ich mich mit Freunden treffen oder lieber was anderes tun?
Wieso haben die Leute die ich an der Haltestelle getroffen habe ein Drogenproblem?
Und wieso hat der Typ vorhin so komisch geguckt?
Wieso hat die Frau nur drei Zähne im Mund und sieht aus wie 65 obwohl sie bestimmt erst dreißig ist?
Wieso schreit diese Mutter ihr Kind so an?
Soll ich das weiter studieren? Ich würde so gern umziehen. Ich könnte ja auch umziehen. Ich könnte auch im Ausland studieren.
Ich will irgendwie was machen aber ich weiß nicht was, deswegen mache ich nichts.
Und es ist alles so chaotisch und so viel worum man sich kümmern muss
Ich bin doch jetzt erwachsen, eigentlich müsste ich mich aufraffen und Herrin über das Chaos werden.
Mein Leben in die Hand nehmen und es planen
Ein bisschen organisieren und konstruktiv sein
Ja das wäre gut.
Das wäre jetzt das Richtige zu tun
Eine gute Sache. Ja.

Ich fühle mich schlecht weil ich alles nicht so richtig hinkriege
Und irgendwie machtlos. Dem Leben ausgeliefert.
Und ich tue einfach nicht das, was ich tun sollte.
Ich könnte verzweifeln.

Ich spüre, dass Gott die Atmosphäre im meinem Zimmer mit seiner Gegenwart füllt.
Meine Hose fühlt sich auf der Haut richtig schön an und ich mag das Hemd was ich trage. Mein Körper fühlt sich wohl und irgendwie ist das Licht grade schön.
Ich mag meine Hände und das Muster auf meiner Bettwäsche. Die ist von meiner Oma und ich muss an den Moment im Sommer denken als ich sie mitnehmen durfte.
Vielleicht ist das alles auch gar nicht so schlimm.
Ich meine, ich bin 20, wer kriegt da schon sein Leben hin?
Ich bin geliebt und Gott macht etwas schönes aus mir.
Die Dinge gehen vorüber und die Zeiten ändern sich wieder.
Und irgendwann wird es bestimmt einfacher und alles wird gut.
Vielleicht kann ich jetzt doch mal ein bisschen aufräumen?
Oder ich schreibe einen Blogartikel #bornfrommisery
Für morgen hab ich auch noch Aufbackbrezeln fällt mir grad ein.
Puh dann hab ich sogar was fürs Frühstück

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