Gezeiten

Normalerweise ist mein Himmel übersäht von funkelnden, magischen Sternen. Die Milchstraße leuchtet und sie zeigt mir in welche Richtung ich gehen soll. In meinen Träumen wandere ich auf der Milchstraße über den Horizont. Die Füße am Himmel dem Kopf an der Erde. Aus dieser Perspektive sieht alles ganz anders aus.
Jetzt aber ist es so, als sei der Sternenhimmel ausgeschalten worden. So als wäre die Batterie leergeworden oder der Schalter ausgeknipst. Aber der Sternenhimmel ist weder mechanisch noch elektrisch er lebt, er bewegt sich und er wandert.
Im Moment ist er einfach dunkel und ich sitze hier in der Finsternis und schaue nach oben. Keine Milchstraße leuchtet dort, die mir den Weg weist. Kein Abendstern, kein Morgenstern, kein Stier und kein Orion. Noch nicht mal der große Wagen ist da.
Kann ich nicht einfach eine neue Batterie einlegen? Oder einfach den Schalter anknipsen? Aber der Sternenhimmel ist weder mechanisch noch elektrisch, er lebt, er bewegt sich und er wandert. Er ist organisch und richtet sich nach den Gezeiten. Nicht nach einem Schalter.
Die Sternbilder verschwinden wenn sich die Erde dreht und jede Nacht zu jeder Jahreszeit sieht der Himmel ein bisschen anders aus. Genau wie die Sonne jeden Abend verschwindet und wieder aufgeht und kein Sonnenuntergang gleich ist. Alles folgt einem ruhigen Zyklus. Den kann ich nicht beeinflussen

Manchmal will ich, dass alles einen Schalter hat. Ich will, dass alles auf Knopfdruck genau so passiert, wie ich es mir vorstelle.
Aber die Natur und das Leben funktionieren irgendwie nicht so. Man kann die Natur nicht zähmen, zumindest nicht ohne sie zu zerstören. Und das Leben kann man auch nicht wirklich kontrollieren. Es passiert was passieren soll. Und manches passiert eben nicht. Anderes dauert ein bisschen oder eben ein bisschen länger.
Und ich hab gemerkt, dass wenn ich versuche alles zu kontrollieren und allem zwanghaft meine Vorstellungen überstülpen will, es kaputt geht.
Alles hat seine Zeit. Die Gezeiten laufen eben nicht nach meinem Willen sondern nach einem, der mir übergeordnet ist. Ich muss nicht mehr versuchen mir alles unterzuordnen, sondern ich darf mich in ein System einklinken, welches ich nicht kontrollieren kann, aber dessen Schönheit gerade in der Unzähmbarkeit liegt. Ich bin ein Teil von einem großen Ganzen und dort finde ich genau den richtigen Platz.

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